Archiv für das Thema: Belletristik

Lesen – Jahresrückblick 2007

2007 war ein sehr gutes Lesejahr, mit vielen Highlights aber auch einigen Flops.
Insgesamt habe ich 93 Bücher gelesen, 10 davon habe ich abgebrochen.
Mein umfangreichstes Buch war mit 1040 Seiten „Die Madonna von Murano“ von Charlotte Thomas; das dünnste Buch mit 141 Seiten „Der Rucksackmörder“ von Jaques Buval.

Die meisten Bücher desselben Autors:
4 Bücher von Marcel Feige
3 Bücher von Richard Laymon
3 Bücher von Sabine Weigand

Meine Top 10 Bücher, in wahlloser Reihenfolge, waren:
01. Tokio von Mo Hayder
02. Evil von Jack Ketchum
03. Magma von Thomas Thiemeyer
04. April in Paris von Michael Wallner
05. Der Funke des Chronos von Thomas Finn
06. Das Paradies der Schwerter von Tobias O. Meißner
07. Gedankenhaie von Steven Hall
08. Die Königsdame von Sabine Weigand
09. Verflixte Erleuchtung von Jed McKenna
10. Evangeline von D.W. Buffa

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Flops, d.h., von diesen Büchern hatte ich wesentlich mehr erhofft:
01. Tannöd von Andrea Ⅿ. Schenkel
02. Cry Baby – Gillian Flynn
03. Nicht frei von Sünde – Benjamin Black

Januar:
01. Kein Sterbenswort – Harlan Coben**
02. Die schwarze Stadt – John Saul****
03. Mustererkennung – William Gibson**
04. Sonnensturm – Asa Larsson**
05. Evangeline – Dudley W. Buffa*****

Februar:
06. Verflixte Erleuchtung – Jed McKenna*****
07. Und ewig seid ihr mein – Roman Rausch****
08. Bis ans Ende der Zeit – Petra Last (abgebrochen)
09. Fahrenheit 451 – Ray Bradbury****
10. Verblendung – Stieg Larsson****
11. Der Fall Charles Dexter Ward – H.P. Lovecraft (abgebrochen)
12. Spirituell unkorrekte Erleuchtung – Jed McKenna*****
13. Die Stimme der Dunkelheit – Asko Sahlberg***
14. Das Buch der Namen – Jill Gregory***

März:
15. Magma – Thomas Thiemeyer*****
16. Sine Culpa – Elizabeth Corley**
17. Jagdfieber – Kay Hooper (abgebrochen)
18. Adrenalin – Michael Robotham****
19. Ich bin dann mal weg – Hape Kerkeling**
20. Der letzte Coup – James Twining***
21. Memento – Tracy**
22. Sturmnacht – Jim Butcher***
23. Gedankenhaie – Steven Hall *****

April:
24. Die Kobolde – Karl-Heinz Witzko (abgebrochen)
25. Das Buch der Illusionen – Paul Auster****
26. Tannöd – Andrea Ⅿ. Schenkel*
27. Das Spiel – Richard Laymon****
28. Cry Baby – Gillian Flynn**
29. Tokio – Mo Hayder *****
30. Der siebte Tod – Paul Cleave***
31. Die toten Kinder – Stefano Massaron (abgebrochen)
32. Niemalsland – Neil Gaiman**
33. Memory – Bennett Davlin**

Mai:
34. Blind – Joe Hill***
35. Der Rucksackmörder – Jaques Buval (141 Seiten)****
36. Ausgebrannt – Andreas Eschbach****
37. Der Funke des Chronos – Thomas Finn*****
38. Victim – Chris Mooney**
39. Die Richter des Königs – Sandra Lessmann*****
40. Die Sündentochter – Sandra Lessmann****

Juni:
41. Verdammnis – Stieg Larsson**
42. Die Feuerreiter Seiner Majestät 01‑ Drachenbrut – Naomi Novik**
43. Insel der Vergessenen – Victoria Hislop*****
44. Midnighters – Die Erwählten – Scott Westerfeld (abgebrochen)
45. Die Sternjägerin – Eric Walz****
46. Memoria – Gary Braver**
47. Der Vermesser – Clare Clark***

Juli:
48. Die Madonna von Murano – Charlotte Thomas (1040 Seiten)***
49. Der Puppensammler – Mila Lippke**
50. Prestige. Die Meister der Magie – Christopher Priest****
51. Nicht frei von Sünde – Benjamin Black**
52. Die Sekte – Mo Hayder***
53. Das Paradies der Schwerter – Tobias O. Meißner *****
54. Attica – Garry Kilworth (abgebrochen)

August:
55. Der kretische Gast – Klaus Modick****
56. Das große Spiel – Claude Cueni*****
57. Die Königsdame – Sabine Weigand*****
58. Schrei nicht so laut – John Harvey**
59. Totenstarre – Mark Nykanen (abgebrochen)
60. Qual – Richard Bachman (Stephen King)***
61. Das dunkle Haus – Saskia Noort****
62. Die Opferung – Graham Masterton****
63. Die Anstalt – John Katzenbach**
64. Trauma – Dean Koontz (abgebrochen)
65. Dreizehn Monde – Charles Frazier (abgebrochen)

September:
66. Untot – Joe Schreiber**
67. Inferno 1: Ruf der Toten – Marcel Feige*****
68. Inferno 2: Schwester der Toten – Marcel Feige*****
69. Der Gesang des Scherenschleifers – Andreas Winkelmann****
70. Unter dem Eis – Gisa Klönne***
71. Inferno 3: Macht der Toten – Marcel Feige**
72. Der Engelmacher – Stefan Brijs****

Oktober:
73. Der Schachautomat – Robert Löhr****
74. Irrsinn – Dean Koontz (abgebrochen)
75. Cold House – TM Wright*****
76. Beutezeit – Jack Ketchum****
77. Die italienischen Schuhe – Henning Mankell****
78. Und hüte dich vor dem Bösen – Saskia Noort****
79. April in Paris – Michael Wallner*****
80. In Mondnächten – Ami McKay**
81. Die Insel – Richard Laymon*****

November:
82. Der Ruf des Schmetterlings – Rachael King***
83. Wut – Marcel Feige****
84. Das System – Karl Olsberg**
85. Rache – Richard Laymon****
86. Die Blutlinie – Cody McFadyen*
87. Troposphere – Scarlett Thomas****

Dezember:
88. Die dreizehnte Geschichte – Diane Setterfield***
89. Silberfieber – Peter Wührmann***
90. Die Gruft – F. Paul Wilson****
91. Evil – Jack Ketchum***** (bereits im Januar gelesen, keine erneute Durchnummerierung)
92. Creepers – David Morrell**** (bereits im April gelesen, keine erneute Durchnummerierung)
93. Ich, der Wächter – Charles MacLean (lese ich gerade)

Ich habe nicht zu allen Büchern Rezensionen verfasst. Über die interne Suche hier im Blog kann nach Rezensionen gesucht werden. Weitere Rezensionen kann man auch in meinem Bücherforum lesen

Die dreizehnte Geschichte – Diane Setterfield

Die dreizehnte Geschichte
Die dreizehnte Geschichte
Diane Setterfield
Blessing 2007–02 Gebundene Ausgabe 528 Seiten

Die Biographin Margaret Lea, deren Leben ausschließlich aus ihrer bibliophilen Leidenschaft besteht, bekommt unerwartet die Gelegenheit die Biographie der englischen Erfolgsschriftstellerin Vida Winter zu schreiben.

Am Anfang des Romans gewährt uns die Autorin sehr ausführlich, einen Einblick in das bisherige Leben von Margaret Lea. Margaret verbringt ihre Tage in dem Bücherantiquariat ihres Vaters und ist besessen vom Werdegang toter Schriftsteller, dessen Biographien sie schreibt. Später begibt sie sich auf das abgelegene Anwesen der erfolgreichen Autorin Vida Winter um deren Biografie zu schreiben. Es folgen nun die seitenlangen und langatmigen Beschreibungen des Lebens von Vida Winter. Weshalb ausgerechnet Margaret Lea den Auftrag bekam die Biographie zu schreiben, bleibt bis zu den letzten Seiten des Romans ein Geheimnis. Die Auflösung jedoch empfand ich als nicht besonders originell und irgendwie an den Haaren herbei gezogen.
Diane Setterfield hat versucht die Stimmung eines klassischen Romans aus dem 19. Jahrhundert einzufangen. Die Brontes, Jane Austen, Mary Shelley und sogar Edgar Allen Poe müssen als Paten herhalten. Der Versuch ist meines Erachtens misslungen und wirkt nur gekünstelt bzw. aufgesetzt.

Fazit: Die dreizehnte Geschichte war kein Buch für mich, doch eventuell ist es für den einen oder anderen dennoch lesenswert. Vor allem für Leser, die leise Töne bevorzugen oder gerne Jane Austen lesen.

Von mir gibt es wohlwollende 3 Sterne.

Rating: ★★★☆☆

Troposphere – Scarlett Thomas

Troposphere
Troposphere
Scarlett Thomas und Jochen Stremmel
Kindler 2008–01–18 Gebundene Ausgabe 576 Seiten

Kurzbeschreibung Amazon:
Ariel Manto hat es nicht leicht: Sie ist pleite, ihre Wohnung ein Rattenloch – und die Quellenlage zu ihrer Dissertation über den viktorianischen Schriftsteller T. E. Lumas ist verheerend: Nicht nur heißt es, dass auf dessen Hauptwerk ein Fluch lastet, es ist auch so gut wie ausgeschlossen, dies zu verifizieren, denn alle Exemplare des Buches sind verschollen. So kann Ariel ihr Glück kaum fassen, als ihr eine Ausgabe von Lumas‘ Opus magnum in die Hände fällt. Wie besessen vertieft sie sich in die aberwitzige Geschichte von Mr. Y, der durch die Einnahme eines Elixiers in eine andere Dimension, die Troposphäre, versetzt wird. Dort ist es möglich, durch die Gedanken anderer Menschen – und damit auch durch Zeit und Raum – zu reisen. Zynische Skeptikerin, die sie ist, glaubt Ariel weder an Flüche noch an Wunderdrogen, dennoch startet sie einen Selbstversuch – und landet tatsächlich in der Troposphäre. Doch diese Art des Reisens birgt ungeahnte Gefahren, denn nicht alle Wesen, die die Troposphäre durchwandern, sind Neuankömmlingen wohlgesinnt. Zum Glück steht Ariel ein treuer Gefährte zur Seite, denn bei der wilden Jagd durch alle Dimensionen geht es um nichts Geringeres als die Rettung der «realen» Welt …

Meine Anmerkung:
Dieses Buch ist noch nicht erschienen. Ich habe ein Leseexemplar gelesen. Auf eine ausführliche Rezension werde ich deshalb vorerst verzichten, da Rezensionen vor der Erstveröffentlichung nicht gewünscht sind.
Nur eins sage ich: Dieses Buch ist lesenswert …

Rating: ★★★★☆

Der Ruf des Schmetterlings – Rachael King

Der Ruf des Schmetterlings
Der Ruf des Schmetterlings
Rachael King und Maja Ueberle-Pfaff
Pendo Verlag 2007–08–07 Gebundene Ausgabe 430 Seiten

Thomas Edgar, ein Schmetterlingsforscher bricht im Herbst des Jahres 1903 zu einer großen Amazonas – Expedition auf. Als er zu seiner Frau Sophie nach England zurück kehrt, ist er völlig verändert. Er spricht nicht mehr und ist verstört.
Sophie ist verzweifelt und findet nur langsam heraus was im Amazonas vorgefallen ist und was Thomas dort erlebt hat. Sophie erfährt nach und nach, dass ihr Mann nicht nur von der Gattin eines Kautschuk Barons verführt wurde, sondern auch vom Baron selbst manipuliert und in den Wahn getrieben wurde.

Rachael King erzählt erzählt in einer wunderbaren poetischen Sprache, die ich an manchen Stellen als etwas zu ausschweifend empfand. Die Gedanken und Gefühle von Sophie werden bis ins kleinste Detail beschrieben. Die Handlung des Romans kommt dadurch leider nur sehr schleppend voran, Spannung kommt eigentlich gar keine auf. Wer einen spannenden Roman erwartet, dem rate ich von diesem Buch ab, aber die Sprache ist wirklich wundervoll. Es ist ein Buch für Genießer und besonders geeignet für aufopferungsvolle Frauen. Meinen Geschmack hat es nicht ganz getroffen, mir war es etwas zu poetisch und ausladend.

Rating: ★★★☆☆

In Mondnächten – Ami McKay

In Mondnächten
In Mondnächten
Ami McKay
Btb 2007–02 Gebundene Ausgabe 412 Seiten

Erzählt wird die Geschichte von Dora Rare, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Glückshaube (hier musste ich Wikipedia bemühen um zu erfahren was das eigentlich ist, denn das wird leider im Buch nicht erklärt) in einer kleinen Provinz von Neuschottland geboren wurde.

Dora wird von der ansässigen Dorfhebamme in die Geburtshilfe eingewiesen und später übernimmt sie deren Aufgaben. Sie sammelt Kräuter, stellt Mixturen her, hilft bei ungewollten oder ausbleibenden Schwangerschaften. Doch Dora ist eine Außenseiterin und als die moderne Medizin in Gestalt eines ausgebildeten, aber unerfahrenen Gynäkologen in ihrem Dorf Einzug hält, wird sie der Hexerei und Pfuscherei bezichtigt.

Der Roman ist in der Ich-Form (Dora) geschrieben und wird von Tagebucheinträgen, Briefen und Zeitungsausschnitten begleitet. Im Anhang befindet sich das so genannte Weidenbuch, welches Rezepte von Hausmittelchen und Verwendungshinweise spezieller Kräuter beinhaltet.

Es geht um Glauben, Aberglauben, um den Konflikt zwischen Naturheilkunde und moderner Medizin, ums Kinderkriegen und um Selbstbestimmung.

Der Roman ist nicht schlecht, jedoch hat er meinen Geschmack nicht getroffen. Ich lese sehr gerne über Themen wie Naturheilkunde und Medizin, aber strickende Frauengrüppchen und deren Teestunden sprechen mich einfach nicht an.

Rating: ★★☆☆☆

April in Paris – Michael Wallner

April in Paris
April in Paris
Michael Wallner
btb TB 2007–11 Broschiert 240 Seiten

In einfachen und klaren Sätzen erzählt Wallner von einer verbotenen und ungewöhnlichen Liebe. Handlungsort ist das besetzte Paris im Jahr 1943. Der Obergefreite Roth arbeitet als Dolmetscher für die SS und muss an grausamen Verhören teilnehmen. In seiner Freizeit verkleidet er sich verbotener Weise als Pariser und lernt so Chantal kennen, die der Widerstandsbewegung angehört. Roth verliebt sich in Chantal, doch die Liebe ist aussichtslos.

Die Liebesgeschichte nimmt handlungsmäßig nur wenig Raum ein und doch ist sie Dreh‑ und Angelpunkt des Romans. Im Vordergrund stehen die Verhöre und Grausamkeiten der Gestapo, die gleichermaßen sowohl „Feinde“, als auch Deutsche aus den eigenen Reihen misshandeln.
Der Roman beginnt langsam und wird ab der Mitte immer schneller. In kurzen Sätzen, aber eindrücklich werden die Gedanken und Gefühle von Roth geschildert.
In irgend einer Rezension wurde das Buch als „Schmonzette“ bezeichnet, dem kann ich nicht zustimmen. Mir hat es gefallen.

Rating: ★★★★☆

Die italienischen Schuhe – Henning Mankell

Die italienischen Schuhe
Die italienischen Schuhe
Henning Mankell und Verena Reichel
Zsolnay 2007–08 Gebundene Ausgabe 368 Seiten

Mit dem Roman „Die italienischen Schuhe“ hat Henning Mankell einen ganz anderen Roman geschrieben. Keinen Krimi und auch keinen Afrika‑ Roman.
Erzählt wird die Geschichte von Fredrik Welin, der völlig zurückgezogen auf einer kleinen Schäreninsel zusammen mit Hund und Katze und einem Ameisenhaufen in der Wohnstube, lebt. Er glaubt sein Leben gelebt zu haben. Täglich nimmt er ein Bad im Eis, nur um zu spüren, dass er noch lebendig ist. Doch unverhofft steht eines Tages seine Jugendliebe vor ihm, die ihn auf Grund eines alten Versprechens ins wirkliche Leben zurück holt.

Obwohl mich die Geschichte selbst, insgesamt nicht übermäßig begeistern konnte, war da etwas, was mich fasziniert hat. Ich musste immer weiter lesen und das fast ohne Unterbrechung. Mankells Erzählkunst wirkte auf mich wie ein Sog. Die Charaktere, besonders der von Fredrik Welin zeichnen sich durch einzigartige Tiefe und Komplexität aus. Auch im Nachhinein geht mir die Geschichte nicht aus dem Kopf.

Fazit: ein lesenswerter Roman über die Liebe und die Einsamkeit ohne kitschig sein.

Rating: ★★★★☆

Das kalte Haus – T.M. Wright

Cold House
Cold House
TM Wright
Catalyst Press 2003–10 Taschenbuch 220 Seiten

Eine fesselnde Liebesgeschichte, in der Zeit und Raum von der Normalität abweichen, wo Verlangen und Verlust das Dasein bestimmen. Eine Geschichte über das, was uns nie los lässt, vor dem wir niemals fliehen können – über den Verlust, den wir erlitten haben und über das Unabwendbare.

In einem alten, kalten Haus, warten eine Frau und ihr Hund in der Einsamkeit und in Angst vor der noch kälteren Außenwelt.
In einer Stadt, deren Namen er nicht kennt, irrt ein Mann umher, der verzweifelt nach Antworten sucht. Ihre Liebe verbindet sie.“

(Quelle: Klappentext)

T. Ⅿ. Wrights Roman ist schon aufgrund der Erzählweise sehr ungewöhnlich und es ist Lektüre, die man nicht einfach so weg lesen kann, zudem spukt mir die Geschichte immer noch im Kopf herum… Deshalb ist „Das kalte Haus“ ein nachdenklich machendes literarisches Werk, äußerst gefühlvoll und intelligent geschrieben. Mir fehlen die richtigen Worte …

Eine Leseprobe gibt es hier: „Das kalte Haus“

(Verlinkt habe ich hier, wie man sieht die englische Ausgabe, gelesen habe ich das Buch auf deutsch welches lediglich bei Eloy Edictions erschienen ist und auch nur über diesen Verlag zu beziehen ist)

Rating: ★★★★★

Der Engelmacher – Stefan Brijs

Der Engelmacher
Der Engelmacher
Stefan Brijs
Btb 2007–01 Gebundene Ausgabe 448 Seiten

Klappentext:

Wolfheim, gelegen im Dreiländereck, ganz in der Nähe von Aachen: Nach zwanzig Jahren Abwesenheit kehrt Dr. Victor Hoppe in seinen Geburtsort zurück. Misstrauen schlägt ihm entgegen. Die Dorfbewohner wundern sich vor allem über die drei Babys, die er dabei hat: Es sind offensichtlich Drillinge, die Jungen gleichen sich wie ein Ei dem anderen, und alle sind von einer Hasenscharte entstellt – eine Fehlbildung, die bereits Victor von seinem Vater geerbt hatte und die ihm seinerzeit das Leben schwer machte. Denn die Einheimischen sind abergläubisch. Auch jetzt machen Gerüchte die Runde. Und tatsächlich drängen sich Fragen auf: Wo ist die Mutter? Was will Victor nach all den Jahren in Wolfheim? Warum versteckt er die Kinder? Doch als der Doktor einem Jungen aus dem Dorf das Leben rettet, ändert sich die Lage dramatisch und seine Popularität steigt. Man beginnt sich mit ihm zu arrangieren, auch wenn er nach wie vor wunderlich erscheint. Man fasst sogar Zutrauen zu ihm. Bis die Kinderfrau der Drillinge, eine ehemalige Lehrerin aus dem Dorf, eines plötzlichen Todes stirbt …

Kurzrezension:
Victor wird von seinen Eltern in ein Kloster abgeschoben. Dort unterstellen ihm die Klosterschwestern Debilität weil er nicht spricht. Tatsächlich leidet er unter dem Asperger Syndrom, eine leichte Form von Autismus. Doch dieses Krankheitsbild war zur damaligen Zeit noch nicht erforscht. Victor lernt, mit Hilfe einer ehrgeizigen und lieben Schwester, die selbst ihr „Päckchen“ zu tragen hat, überduchschnittlich schnell lesen und rechnen. Später wird er ein hoch geschätzter und angesehener Arzt und Wissenschaftler.

»Gott gibt und Gott nimmt, Victor. Aber nicht immer. Manchmal müssen wir es selbst tun!«

Victor sieht diese Aussage als Fehdehandschuh, der ihm zugeworfen wird. Als eine Herausforderung und so beginnt sein Kampf mit und gegen Gott. Er klont drei Mäuse und später sich selbst.

„Der Engelmacher“ ist ein anspruchsvoller Roman der für mich in erster Linie den Sinn und Wahn von göttlichen Glauben und Religion hinterfragt, zusätzlich spielt der Autor mit den Möglichkeiten der modernen Wissenschaft, speziell der Embryonenforschung. Ein brisantes Thema, aktueller denn je.
Den Erzählstil empfand ich etwas fade und teilweise doch etwas trocken, aber das fulminante und nicht vorhersehbare Ende machen aus dem mit der goldenen Eule, dem Literaturpreis aus Belgien, ausgezeichneten Roman eine runde Sache.

Rating: ★★★★☆

Der kretische Gast – Klaus Modick

Der kretische Gast.
Der kretische Gast.
Klaus Modick
Piper 2005–03 Taschenbuch 455 Seiten

Kreta 1943: Der deutsche Archäologe Johann Martens soll im Auftrag der Wehrmacht die Kunstschätze der besetzten Insel katalogisieren. Der Einheimische Andreas wird zu seinem Fahrer und Führer, doch verbindet beide bald mehr. Die Lebensart der Kreter und noch mehr Andreas’ schöne Tochter Eleni schlagen Martens immer mehr in ihren Bann. Als die Deutschen eine Razzia planen, muß sich Johann entscheiden, wo er steht.

Ich bin ein Kreta-Fan und kenne die Insel ziemlich gut. Einige der im Buch beschriebenen Orte habe ich bereist und auch die Mentalität der Kreter ist mir nicht unbekannt. Die Gastfreundschaft, die wahrhaftig wie im Buch beschrieben, mit viel Raki bekundet wird, welchen ich mit den Einheimischen „auf die Gesundheit“ getrunken habe, ist mir bestens bekannt.
Modick hat die Insel Kreta und deren Bewohner wirklich sehr eindrucksvoll und treffend beschrieben. Vieles habe ich als Besucher genau so erlebt.

Der Roman setzt sich aus zwei sich wechselnden Handlungssträngen zusammen und man ist gespannt wie die Geschichte zusammengeführt wird.
Besonders am Ende wächst die Spannung fast bis ins unerträgliche, so dass ich sehr schnell gelesen habe. Dabei haben mich die doch sehr ausführlichen Landschaftsbeschreibungen ein wenig gestört.
Ansonsten ist „Der kretische Gast“ ein sehr beeindruckendes und empfehlenswertes Buch mit historischen Hintergrund.

Rating: ★★★★☆

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