Archiv für das Thema: Historische Romane

In Mondnächten – Ami McKay

In Mondnächten
In Mondnächten
Ami McKay
Btb 2007–02 Gebundene Ausgabe 412 Seiten

Erzählt wird die Geschichte von Dora Rare, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Glückshaube (hier musste ich Wikipedia bemühen um zu erfahren was das eigentlich ist, denn das wird leider im Buch nicht erklärt) in einer kleinen Provinz von Neuschottland geboren wurde.

Dora wird von der ansässigen Dorfhebamme in die Geburtshilfe eingewiesen und später übernimmt sie deren Aufgaben. Sie sammelt Kräuter, stellt Mixturen her, hilft bei ungewollten oder ausbleibenden Schwangerschaften. Doch Dora ist eine Außenseiterin und als die moderne Medizin in Gestalt eines ausgebildeten, aber unerfahrenen Gynäkologen in ihrem Dorf Einzug hält, wird sie der Hexerei und Pfuscherei bezichtigt.

Der Roman ist in der Ich-Form (Dora) geschrieben und wird von Tagebucheinträgen, Briefen und Zeitungsausschnitten begleitet. Im Anhang befindet sich das so genannte Weidenbuch, welches Rezepte von Hausmittelchen und Verwendungshinweise spezieller Kräuter beinhaltet.

Es geht um Glauben, Aberglauben, um den Konflikt zwischen Naturheilkunde und moderner Medizin, ums Kinderkriegen und um Selbstbestimmung.

Der Roman ist nicht schlecht, jedoch hat er meinen Geschmack nicht getroffen. Ich lese sehr gerne über Themen wie Naturheilkunde und Medizin, aber strickende Frauengrüppchen und deren Teestunden sprechen mich einfach nicht an.

Rating: ★★☆☆☆

Der Schachautomat – Robert Löhr

Der Schachautomat
Der Schachautomat
Robert Löhr
Piper 2005–08 Gebundene Ausgabe 406 Seiten

Klappentext:

Als Hofrat Wolfgang von Kempelen 1770 am Habsburgischen Hof seinen Schach spielenden Automaten präsentiert, gilt der Maschinenmensch als großartigste Errungenschaft des Jahrhunderts. Doch tatsächlich verbirgt sich im Innern der Maschine ein Zwerg – und dieses menschliche Gehirn erweist sich als tödlich und sterblich zugleich. Von den Bleikammern Venedigs zum kaiserlichen Hof in Wien, von den Palästen des Preßburger Adels in die Gassen des Judenviertels – ein spannender historischer Roman um ein legendäres Täuschungsmanöver.

Kurzrezension:
„Der Schachautomat“ erzählt die Geschichte um den brillantesten Betrug des 18. Jahrhunderts und zwar die Geschichte vom „Schachtürken“, den es wirklich gab. Der „Schachtürke“ ist ein schachspielender Automat der von Wolfgang von Kempelen im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia gefertigt wurde. Die Schachmaschine war ein Kasten die von einer Holzfiger, gekleidet in eine türkischen Tracht, bedient wurde. Was die Menschen damals nicht wussten, im Inneren des Kastens saß, so zu sagen als Gehirn, ein Zwerg.
Wie der Autor im Anhang erklärt, konnte das Geheimnis des Türken knapp 80 Jahre lang gehütet werden, weil dessen Spieler, die den Automaten von innen bedienten, nichts verraten haben.

Robert Löhr hat hier einen beeindruckenden historischen Roman geschrieben, der auf historischen Fakten beruht. Die Geschichte kommt langsam in Schwung, doch durch die wechselnden Erzählstränge, Rückblick und Gegenwart entsteht Spannung und Abwechslung. Die Sprache passt wunderbar zum Genre historischer Roman. Ich fühlte mich nicht nur gut informiert sondern auch glänzend unterhalten.

Eine moderne Rekonstruktion des Schachtürken ist Teil einer Dauerausstellung im Heinz Nixdorf Museum in Paderborn.

Rating: ★★★★☆

Die Königsdame – Sabine Weigand

Die Königsdame. Die Osmanin am Hofe von August dem Starken
Die Königsdame. Die Osmanin am Hofe von August dem Starken
Sabine Weigand
Krüger, Frankfurt 2007–03 Gebundene Ausgabe 464 Seiten

Kurzbeschreibung von Amazon:
Als junges Mädchen kommt Fatmah nach Dresden. Angstvoll und alleingelassen muss sie die fremden Sitten am sächsischen Hof erlernen. Sie wird Zofe von Augusts mächtigster Mätresse, Constantia von Cosel. Bis Fatmah selbst das Interesse des Königs erregt und für Constantia zur Rivalin wird. Wem kann Fatmah am Hofe trauen? De Villeroy, dem französischen Gesandten, der sich elegant über Augusts mangelndes Kriegsglück lustig macht? Oder dem jungen polnischen Grafen Worowski, der im Geheimen für die Freiheit seines Volkes kämpft? Da gerät Fatmah in eine Intrige um Magie, Mord und Verrat. Kann die Königsdame ihr Schicksal wenden?

Meinung:
Nach „Der Markgräfin“ und „Das Perlenmedaillon“ gibt es nun das dritte Buch aus der Feder von Sabine Weigand. „Die Königsdame“, steht den beiden vorangegangenen Werken in nichts nach. Historisch fast korrekt, (Abweichungen vom tatsächlichen Verlauf der Geschichte werden im Anhang erläutert) liefert die Autorin wiederholt einen sprachlich gekonnten, spannenden und sehr lesenswerten Roman ab.
Da Dresden meine Heimatstadt ist, habe ich mich auf diesen neuen Roman ganz besonders gefreut. Die beschriebenen Orte kenne ich alle, somit fühlte ich mich, auch auf Grund der sehr plastischen Erzählweise, hautnah am Geschehen.
Vicomte Alphonse Louis Baptiste de Villeroy, eine fiktive Person aus dem Roman, ist mir vor allen Anderen ans Herz gewachsen. Besonders originell fand ich die seinen Memoiren beigefügten Rezepte, hier musste ich oft schmunzeln. Klasse Idee! Aber auch die osmanische Hauptprotagonistin Fatmah und natürlich Kurfürst August sind wunderbar gezeichnet.
„Die Königsdame“ ist wieder einmal ein toller historischer Roman geworden!
Vielen Dank an Sabine Weigand, ich habe mich prächtig unterhalten. Ich warte gespannt auf den nächsten Roman.

Rating: ★★★★★

Das große Spiel – Claude Cueni

Das große Spiel
Das große Spiel
Claude Cueni
Heyne 2006–08 Gebundene Ausgabe 448 Seiten

Klappentext und Inhaltsbeschreibung:
Eine unglaubliche, aber wahre Geschichte. Ein genialer Jongleur zwischen Geld und Liebe. Ein leidenschaftlicher historischer Roman.

Begnadeter Spieler, legendärer Frauenheld, brillanter Mathematiker – John Law war die schillerndste Figur seiner Zeit. Claude Cuenis großer historischer Roman erzählt die fesselnde Geschichte eines Genies, das für eine atemberaubende Idee sein Leben und ein ganzes Land aufs Spiel setzte.

1671 in Edinburgh geboren, verspielt John Law bereits in jungen Jahren das Vermögen seines Vaters. Draufgängerisch auch sein Umgang mit den Frauen. Scharen von gehörnten Ehemännern frohlocken, als Law nach einem Duell mit tödlichem Ausgang das Land verlassen muss. Während seiner Flucht quer durch Europa kommt ihm die bahnbrechende Idee, Geld nicht länger mit den immer knapper werdenden Edelmetallen zu decken. John Law erfindet das Papiergeld, doch seine Idee findet kein Gehör. Erst als er Anfang des 18. Jahrhunderts nach Frankreich gelangt, bekommt er seine Chance. Der Herzog von Orléans, gerade zum Regenten gekürt, findet Gefallen an der Vorstellung, die enormen Staatsschulden quasi per Druckerpresse zu tilgen. 1716 gründet Law die Banque Royale und gibt erstmals Papiergeld aus. Seine Idee bewährt sich, der Handel blüht, und John Law häuft ein Vermögen an, das ihn zum reichsten Mann seiner Zeit macht, ja vielleicht zum reichsten Mann, der jemals gelebt hat. Doch irgendwann holt ihn seine Spielernatur ein.

Meinung:
„Das große Spiel“ ist ein lehrreicher historischer Roman, wobei es Cueni in wunderbarer erzählerischer Weise gelingt, den Leser in die damaligen wirtschaftlichen und politischen Prozesse einzuführen, z.B., die Entstehung des Finanzsystems, inbegriffen die Erfindung des Papiergeldes.

Der Roman ist spannend, leicht zu lesen und mit feinsinnigem Humor gewürzt; die historischen Fakten sind sprachlich detailreich und brillant verarbeitet worden. Geschichtsunterricht per Excellence.
Absolute Leseempfehlung!

Hier gibt es weitere interessante Infos und Hintergrundinformationen zu Schauplätzen und Romanfiguren:

http://www.cueni.ch/

Rating: ★★★★★

Die Madonna von Murano – Charlotte Thomas

Die Madonna von Murano
Die Madonna von Murano
Charlotte Thomas
Ehrenwirth 2007–02–20 Gebundene Ausgabe 1040 Seiten

Charlotte Thomas versetzt den Leser mit ihrem opulenten Roman nach Venedig und Rom in die Zeit der Renaissance. Erzählt wird die Geschichte von Sanchia, deren Mutter, eine Sklavin, gleich zu Beginn des Romans grausam ermordet wird.
Sanchia wird darauf hin von der Familie eines Spiegelmachers aufgezogen.
Ihre familiäre Herkunft bleibt jedoch ein Geheimnis. Später lernt Sanchia ihre große Liebe Lorenzo, den Sohn einer reichen Patrizierfamilie kennen. Das Schicksal will es so, das die beiden immer wieder getrennt werden. Die Herkunft Sanchias bleibt bis zum Ende des Romans im Dunklen. Familiäre Intrigen bestimmen das Geschehen.
Insgesamt war „Die Madonna von Murano“ für mich eher ein durchschnittlicher Roman. Das Leben in Venedig, zur damaligen Zeit wird zwar sehr detailliert und farbenprächtig beschrieben, die Charaktere sind gut und liebevoll ausgearbeitet und der historische Hintergrund ist stimmig, aber aufgrund der vielen Nebenstränge zieht sich die Geschichte unnötig in die Länge. Die Dramatik ist teilweise zu hoch, dadurch verliert der Roman leider an Glaubwürdigkeit. Den Schreibstil empfand ich für einen historischen Roman zu modern.

Fazit: gute, leicht zu lesende Unterhaltungslektüre

Rating: ★★★☆☆

Die Sternjägerin – Eric Walz

Die Sternjägerin.
Die Sternjägerin.
Eric Walz
Blanvalet 2006–11 Broschiert 420 Seiten

Inhalt:
Sie war die Herrin der Sternenkarten: Der außergewöhnliche Lebensweg der Astronomin Elisabeth Hevelius (1647 – 1693).

Sie entschied sich nicht für die Liebe, sondern für ihre Leidenschaft: 1662 heiratet die junge Elisabeth Koopmann den um einiges älteren, bekannten Danziger Astronom Johannes Hevelius. Nur er kann der in einem freudlosen, protestantischen Elternhaus aufgewachsenen Kaufmannstochter eines garantieren: Die Freiheit, nach Herzenslust das Firmament zu erforschen. Doch zahlt sie einen hohen Preis für ihre Liebe zu den Sternen: Niemals bereit, ihre große Liebe zu Marek ganz aufzugeben, zerstört sie beinahe ihre Familie. Alles scheint verloren, als dann auch noch ein entsetzlicher Feuersturm ihr Observatorium vernichtet. Doch wie Phönix aus der Asche steigt Elisabeth aus den Ruinen: Als Herausgeberin eines der größten Sternenatlas und als Zeichnerin der ersten genauen Mondkarten geht sie in die Geschichte ein!

Eine faszinierende, widersprüchliche und mutige Frau geht ihren Weg in der Wissenschaft und in der Liebe.

Meinung:
Zum Inhalt ist ja oben schon alles gesagt, deshalb spare ich mir das.
Das war mein erstes Buch von Eric Walz und ich bin begeistert. Wunderbarer und lebendiger Schreibstil, der fesselt und niemals langweilig wird. Obwohl ich kein großer Fan von Liebesgeschichten bin, hat mich diese Lektüre in ihren Bann gezogen. Eric Walz versteht sein Handwerk, geschickt kombiniert er historisches mit einer Liebesgeschichte ohne kitschig zu sein. Vor allem erfährt der Leser viel über Elisabeth Hevelius, eine der ersten Astronominnen der Welt und natürlich über die Geschichte der Astronomie.

Rating: ★★★★☆

Die Sündentochter – Sandra Lessmann

Die Sündentochter.
Die Sündentochter.
Sandra Lessmann
Droemer/Knaur 2006–05 Broschiert 604 Seiten

Inhalt:
Ein düsterer Abend im London des Jahres 1666: Hilflos muss Richter Orlando Trelawney mit ansehen, wie eine Hebamme kaltblütig ermordet wird. Nur durch beherztes Eingreifen kann verhindert werden, dass auch Anne, die Tochter des Opfers, niedergemetzelt wird. Voll Entsetzen über die grausame Tat wendet sich Orlando an seinen Freund, den Arzt Jeremy Blackshaw, der ihm schon einmal bei der Aufklärung eines Verbrechens geholfen hat. Zunächst steht Jeremy vor einem Rätsel – zumal Anne beharrlich schweigt. Und doch scheint das junge Mädchen mehr über die Hintergründe der Bluttat zu wissen. Wen aber schützt Anne? Was steckt hinter dem scheinbar sinnlosen Mord? Während Jeremy noch eine Antwort auf diese Fragen sucht, bricht der große Brand von London aus, der ihm die Lösung des Falls fast unmöglich macht …

Meinung:
Der zweite Teil um den Jesuiten und Arzt Jeremy, den Wundarzt Alan Rigdeway und den Richter Sir Orlando Trelawney hat mir auch sehr gut gefallen. Alle liebgewordenen Personen aus dem ersten Teil „Die Richter des Königs“ haben auch hier wieder ihren Auftritt. Diesmal ist ein Mord an einer Hebamme aufzuklären.
Viele historische Ereignisse, unter anderen der große Brand von London im Jahr 1666, wurden gut recherchiert und sind überzeugend und detailgenau eingebunden. Bei dem Buch habe ich mich zu keiner Zeit gelangweilt und ich konnte es, ebenso wie den ersten Teil kaum aus der Hand legen, obwohl mir der erste Teil ein klein wenig besser gefallen hat.

Rating: ★★★★☆

Die Richter des Königs – Sandra Lessmann

Die Richter des Königs.
Die Richter des Königs.
Sandra Lessmann
Droemer/Knaur 2005–08 Taschenbuch 560 Seiten

Inhalt:
Priester, Richter und ein geheimnisvolles Gift London im Jahre 1665, es ist die Zeit nach dem Bürgerkrieg. Jeremy Blackshaw darf aufgrund der politischen Lage seiner Berufung als katholischer Priester nicht folgen. Früher einmal war er Arzt und wird deshalb zur Behandlung des schwer erkrankten Richters Sir Orlando herangezogen, dessen Vertrauen er genießt. Unversehens wird er in die Untersuchung des Giftmordes verwickelt, in dem der Richter gerade ermittelt und der nicht der einzige bleiben soll. Offenbar hat es jemand auf die Gerichtsbarkeit Londons abgesehen. Bald fällt der Verdacht auf den jungen Iren Breandßn, einen rechten Hitzkopf, der sich schnell Feinde schafft. Doch Jeremy kann nicht glauben, dass Breandan wirklich der Schuldige ist.

Meinung:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es bietet interessante Einblicke in die Medizin und in die Gerichtsbarkeit aus dem Jahre 1665 in England. Des Weiteren wird der große Pestausbruch, welcher im selben Jahr London heimsuchte, dem fast 100.000 Menschen zum Opfer fielen, beschrieben.
Das Buch ist flüssig und sehr spannend geschrieben, die Personen sind durchaus sympathisch, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Wie gut, dass ich bereits den 2. Teil hier liegen habe…

Hier mehr über die beiden Bücher und deren Autorin

Rating: ★★★★★

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