Die Insel – Richard Laymon

Die Insel.
Die Insel.
Richard Laymon und Thomas A. Merk
Heyne 2006–08–01 Broschiert 559 Seiten

Die Familie Collins und der achtzehnjährige Rupert stranden bei einem Familienausflug auf einer einsamen Insel. Als sich alle auf der Insel aufhalten, explodiert plötzlich die Jacht.
War es ein Unfall oder wurde die Jacht absichtlich in die Luft gesprengt? Als sich später herausstellt, das es kein Unfall war, bricht Panik aus …

„Die Insel“ ist ein Thriller mit extrem kontroversen Kritiken, entweder er gefällt oder man lehnt ihn ab. Für mich war es eines der spannendsten Bücher welches ich in letzter Zeit gelesen habe. Laymon erzählt so brilliant seine abartige von Sex, Folter und Gewalt geprägte Schmuddelgeschichte, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte, obwohl ich ansonsten nun wirklich kein Freund von derartigen Schilderungen bin. Und genau diese Tatsache macht das Buch für mich zu einem Meisterwerk. Trotz einfachem Plot, der in Tagebuchform angelegt ist, gelingt es dem Autor ständig falsche Fährten zu legen, bis zum nicht vorhersehbaren fulminanten Ende. Die Krönung jedoch ist, dass Laymon es zudem schafft, diese eklige und abartige Geschichte noch zusätzlich mit Humor zu würzen, so dass ich beim lesen ständig schmunzeln musste. Jedoch rate ich empfindlichen Gemütern von der Lektüre eines Richard Laymon dringend ab. Das Buch wurde nicht ohne Grund in der Heyne-HARDCORE-Reihe veröffentlicht.

Rating: ★★★★★

In Mondnächten – Ami McKay

In Mondnächten
In Mondnächten
Ami McKay
Btb 2007–02 Gebundene Ausgabe 412 Seiten

Erzählt wird die Geschichte von Dora Rare, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Glückshaube (hier musste ich Wikipedia bemühen um zu erfahren was das eigentlich ist, denn das wird leider im Buch nicht erklärt) in einer kleinen Provinz von Neuschottland geboren wurde.

Dora wird von der ansässigen Dorfhebamme in die Geburtshilfe eingewiesen und später übernimmt sie deren Aufgaben. Sie sammelt Kräuter, stellt Mixturen her, hilft bei ungewollten oder ausbleibenden Schwangerschaften. Doch Dora ist eine Außenseiterin und als die moderne Medizin in Gestalt eines ausgebildeten, aber unerfahrenen Gynäkologen in ihrem Dorf Einzug hält, wird sie der Hexerei und Pfuscherei bezichtigt.

Der Roman ist in der Ich-Form (Dora) geschrieben und wird von Tagebucheinträgen, Briefen und Zeitungsausschnitten begleitet. Im Anhang befindet sich das so genannte Weidenbuch, welches Rezepte von Hausmittelchen und Verwendungshinweise spezieller Kräuter beinhaltet.

Es geht um Glauben, Aberglauben, um den Konflikt zwischen Naturheilkunde und moderner Medizin, ums Kinderkriegen und um Selbstbestimmung.

Der Roman ist nicht schlecht, jedoch hat er meinen Geschmack nicht getroffen. Ich lese sehr gerne über Themen wie Naturheilkunde und Medizin, aber strickende Frauengrüppchen und deren Teestunden sprechen mich einfach nicht an.

Rating: ★★☆☆☆

April in Paris – Michael Wallner

April in Paris
April in Paris
Michael Wallner
btb TB 2007–11 Broschiert 240 Seiten

In einfachen und klaren Sätzen erzählt Wallner von einer verbotenen und ungewöhnlichen Liebe. Handlungsort ist das besetzte Paris im Jahr 1943. Der Obergefreite Roth arbeitet als Dolmetscher für die SS und muss an grausamen Verhören teilnehmen. In seiner Freizeit verkleidet er sich verbotener Weise als Pariser und lernt so Chantal kennen, die der Widerstandsbewegung angehört. Roth verliebt sich in Chantal, doch die Liebe ist aussichtslos.

Die Liebesgeschichte nimmt handlungsmäßig nur wenig Raum ein und doch ist sie Dreh‑ und Angelpunkt des Romans. Im Vordergrund stehen die Verhöre und Grausamkeiten der Gestapo, die gleichermaßen sowohl „Feinde“, als auch Deutsche aus den eigenen Reihen misshandeln.
Der Roman beginnt langsam und wird ab der Mitte immer schneller. In kurzen Sätzen, aber eindrücklich werden die Gedanken und Gefühle von Roth geschildert.
In irgend einer Rezension wurde das Buch als „Schmonzette“ bezeichnet, dem kann ich nicht zustimmen. Mir hat es gefallen.

Rating: ★★★★☆

Und hüte dich vor dem Bösen – Saskia Noort

Und hüte dich vor dem Bösen
Und hüte dich vor dem Bösen. Psychothriller
Saskia Noort und Annette Wunschel
Wunderlich 2007–07 Gebundene Ausgabe 286 Seiten

Vor nicht allzu langer Zeit las ich „Das dunkle Haus“ von dieser Autorin und ich war begeistert. Nun habe ich den zweiten Roman von ihr gelesen und wurde ebenfalls nicht enttäuscht. „Das dunkle Haus“ ist gut, „Und hüte dich vor dem Bösen“ ist besser.

Als die Villa ihrer Freude brennt, ist Karen fassungslos. Für Evert, den Mann ihrer Freundin Babette, kommt jede Hilfe zu spät. Die Polizei sagt es war Selbstmord. Doch wie kann das sein? Wieso hat niemand geahnt wie verzweifelt Evert war?
Nach Außen sah alles nach heiler Welt aus. Vier wohlhabende Paare lebten eng befreundet in einem kleinen Vorort Amsterdams und hatten sich ihr kleines Luxusparadies geschaffen. Die Frauen gründeten einen Schlemmerclub, die Männer spielten Golf. Doch nichts ist wie es scheint…

Mein Haus, mein Vorgarten, mein Boot, mein Auto … Bonzengehabe, genau das schildert die Autorin hier sehr genau. Geredet wird über die neuste Mode, Kochrezepte und Kindererziehung. Aber gesagt wird nichts. Die wirklichen Probleme des Einzelnen bleiben verborgen, denn keiner will Schwäche zeigen. Denn das schadet dem Image. Widerfährt jemanden ein Unglück steht er plötzlich ganz allein da.

Ein spannender Kriminalroman um Lügen, Intrigen, Betrug und falsche Freunde, den ich nur empfehlen kann.

Rating: ★★★★☆

Die italienischen Schuhe – Henning Mankell

Die italienischen Schuhe
Die italienischen Schuhe
Henning Mankell und Verena Reichel
Zsolnay 2007–08 Gebundene Ausgabe 368 Seiten

Mit dem Roman „Die italienischen Schuhe“ hat Henning Mankell einen ganz anderen Roman geschrieben. Keinen Krimi und auch keinen Afrika‑ Roman.
Erzählt wird die Geschichte von Fredrik Welin, der völlig zurückgezogen auf einer kleinen Schäreninsel zusammen mit Hund und Katze und einem Ameisenhaufen in der Wohnstube, lebt. Er glaubt sein Leben gelebt zu haben. Täglich nimmt er ein Bad im Eis, nur um zu spüren, dass er noch lebendig ist. Doch unverhofft steht eines Tages seine Jugendliebe vor ihm, die ihn auf Grund eines alten Versprechens ins wirkliche Leben zurück holt.

Obwohl mich die Geschichte selbst, insgesamt nicht übermäßig begeistern konnte, war da etwas, was mich fasziniert hat. Ich musste immer weiter lesen und das fast ohne Unterbrechung. Mankells Erzählkunst wirkte auf mich wie ein Sog. Die Charaktere, besonders der von Fredrik Welin zeichnen sich durch einzigartige Tiefe und Komplexität aus. Auch im Nachhinein geht mir die Geschichte nicht aus dem Kopf.

Fazit: ein lesenswerter Roman über die Liebe und die Einsamkeit ohne kitschig sein.

Rating: ★★★★☆

Das kalte Haus – T.M. Wright

Cold House
Cold House
TM Wright
Catalyst Press 2003–10 Taschenbuch 220 Seiten

Eine fesselnde Liebesgeschichte, in der Zeit und Raum von der Normalität abweichen, wo Verlangen und Verlust das Dasein bestimmen. Eine Geschichte über das, was uns nie los lässt, vor dem wir niemals fliehen können – über den Verlust, den wir erlitten haben und über das Unabwendbare.

In einem alten, kalten Haus, warten eine Frau und ihr Hund in der Einsamkeit und in Angst vor der noch kälteren Außenwelt.
In einer Stadt, deren Namen er nicht kennt, irrt ein Mann umher, der verzweifelt nach Antworten sucht. Ihre Liebe verbindet sie.“

(Quelle: Klappentext)

T. Ⅿ. Wrights Roman ist schon aufgrund der Erzählweise sehr ungewöhnlich und es ist Lektüre, die man nicht einfach so weg lesen kann, zudem spukt mir die Geschichte immer noch im Kopf herum… Deshalb ist „Das kalte Haus“ ein nachdenklich machendes literarisches Werk, äußerst gefühlvoll und intelligent geschrieben. Mir fehlen die richtigen Worte …

Eine Leseprobe gibt es hier: „Das kalte Haus“

(Verlinkt habe ich hier, wie man sieht die englische Ausgabe, gelesen habe ich das Buch auf deutsch welches lediglich bei Eloy Edictions erschienen ist und auch nur über diesen Verlag zu beziehen ist)

Rating: ★★★★★

Irrsinn – Dean Koontz

Irrsinn
Irrsinn
Dean Koontz
Heyne TB 2007–11 Broschiert 420 Seiten

Klappentext:
Als Billy Wiles in einer obskuren Nachricht vor die Wahl gestellt wird, welcher von zwei Menschen ermordet werden soll, hält er das für einen makabren Scherz. In Wirklichkeit ist es der Auftakt zu dem irrsinnigen Feldzug eines psychopathischen Mörders.

Meinung:
Hm, ich weiß nicht ob ich mir nach lediglich 120 gelesenen Seiten ein Urteil erlauben darf, aber ich darf sagen dass mich die Geschichte bis jetzt nur gelangweilt hat und deshalb habe ich das Buch abgebrochen.
Immer wieder stelle ich mir die Frage weshalb Koontz, ein Autor dessen Werke ich früher sehr gern gelesen habe, so sehr nachgelassen hat. Oder liegt es an mir? vielleicht empfinde ich die Dinge heute anders und Bücher, die mich früher fasziniert haben sprechen mich heute nicht mehr an?
Nun jedenfalls empfand ich die im Buch geführten Dialoge als nichts sagendes Geschwafel und ich habe auch kein Interesse zu erfahren wie die Geschichte endet. Ich hätte vor dem Kauf die Leseprobe lesen sollen…

Ohne Bewertung

Der Schachautomat – Robert Löhr

Der Schachautomat
Der Schachautomat
Robert Löhr
Piper 2005–08 Gebundene Ausgabe 406 Seiten

Klappentext:

Als Hofrat Wolfgang von Kempelen 1770 am Habsburgischen Hof seinen Schach spielenden Automaten präsentiert, gilt der Maschinenmensch als großartigste Errungenschaft des Jahrhunderts. Doch tatsächlich verbirgt sich im Innern der Maschine ein Zwerg – und dieses menschliche Gehirn erweist sich als tödlich und sterblich zugleich. Von den Bleikammern Venedigs zum kaiserlichen Hof in Wien, von den Palästen des Preßburger Adels in die Gassen des Judenviertels – ein spannender historischer Roman um ein legendäres Täuschungsmanöver.

Kurzrezension:
„Der Schachautomat“ erzählt die Geschichte um den brillantesten Betrug des 18. Jahrhunderts und zwar die Geschichte vom „Schachtürken“, den es wirklich gab. Der „Schachtürke“ ist ein schachspielender Automat der von Wolfgang von Kempelen im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia gefertigt wurde. Die Schachmaschine war ein Kasten die von einer Holzfiger, gekleidet in eine türkischen Tracht, bedient wurde. Was die Menschen damals nicht wussten, im Inneren des Kastens saß, so zu sagen als Gehirn, ein Zwerg.
Wie der Autor im Anhang erklärt, konnte das Geheimnis des Türken knapp 80 Jahre lang gehütet werden, weil dessen Spieler, die den Automaten von innen bedienten, nichts verraten haben.

Robert Löhr hat hier einen beeindruckenden historischen Roman geschrieben, der auf historischen Fakten beruht. Die Geschichte kommt langsam in Schwung, doch durch die wechselnden Erzählstränge, Rückblick und Gegenwart entsteht Spannung und Abwechslung. Die Sprache passt wunderbar zum Genre historischer Roman. Ich fühlte mich nicht nur gut informiert sondern auch glänzend unterhalten.

Eine moderne Rekonstruktion des Schachtürken ist Teil einer Dauerausstellung im Heinz Nixdorf Museum in Paderborn.

Rating: ★★★★☆

Walter Kempowski verstorben

Kempowski

Der am 29. April 1929 in der Hansestadt Rostock geborene deutsche Schriftsteller Walter Kempowski ist heute am 5. Oktober im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus bei Bremen an Darmkrebs verstorben. Kempowski galt als einer der bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Zu seinen Werken zählten u.a. die stark autobiografisch ausgeprägten Romane der Deutschen Chronik und das Projekt „Echolot“.

Das Foto zeigt Kempowski beim Signieren in einer Rostocker Buchhandlung.

offizielle Homepage von Walter Kempowski

Quelle: Wikipedia, Biografie Walter Kempowski

In eigener Sache – Lärm und Radau in der Nachbarschaft

Gut, wir feiern heute den Tag der Deutschen Einheit. Soweit okay, aaaber warum müssen deswegen ruheliebende Anwohner mit nächtlichen Krach, überdimensional lauter Musik und stupiden Rumgegröhle bestraft werden?
Wieso ist es erlaubt bis 3 Uhr morgens die halbe Stadt zu beschallen? Und als wäre das noch nicht genug, geht es um 10 Uhr morgens erneut los! Beschwerde ist zwecklos, die Veranstaltungen sind behördlich abgesegnet und wurden genehmigt.

Mal ein Vergleich: das neue Nichtraucher-Gesetz, da wird auf die Nichtraucher Rücksicht genommen und es darf zum Schutz derer in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten nicht mehr geraucht werden. Finde ich okay, aber auch ich, als ruheliebender Mensch möchte beachtet werden!

Zum lesen brauche ich absolute Ruhe, gestern und auch heute konnte ich mich auf kein Buch konzentrieren

und zu allem Übel muss der unmittelbare Nachbar jetzt zur Mittagszeit seinen Rasen mähen… und später fummelt der andere Nachbar dann an seinem Modellflugzeug und testet den Motor aus!

Warum Firefox?